Nehmt euch in Acht, bereut eure Sünden und macht euch bereit, denn die Welt geht am 10. September 2008 unter!
So oder so ähnlich würde ein (vermutlich auf einer Kiste stehender und mit einem Schild behängter) fanatischer Kritiker eines des größten physikalischen Experiments, welches am 10. September 2008 beginnen soll, andere Fanatiker um sich scharen und in vermeintlich weiser Voraussicht die Weltbevölkerung vor dem bestehenden Untergang der Erde warnen.
An diesem Tag soll voraussichtlich die erste Teilchenkollision im LHC (Large Hadron Collider), der größten Maschine der Welt, welche sich im der experimentellen, unterirdischen Nuklearforschungsanlage CERN in Genf befindet, stattfinden.
Der LHC ist ein Teilchenbeschleuniger in Form eines Ringes mit etwa 27 km Umfang, welcher Protonen und geladene Atomkerne bis zur Lichtgeschwindigkeit und dann zur Kollision bringt. Vier (teilweise miteinander konkurrierende und alle nach dem Nobelpreis strebende) Experimente (ATLAS, CMS, LHCb und ALICE) sollen untersuchen, was bei diesen Kollisionen geschieht. Diese Untersuchungen finden in Teilchendetektoren statt, die entlang der Ringstrecke verteilt sind.

Schematische Darstellung des LHC-Ringbeschleunigers und der vier Experimente am CERN. Der Large Hadron Collider LHC wird im Tunnel des Teilchenbeschleunigers LEP aufgebaut, der im Jahr 2001 abgebaut wurde. In vier unterirdischen Hallen stehen die Experimente ALICE, ATLAS, CMS und LHCb. (Quelle: http://www.weltderphysik.de)
ATLAS und CMS sollen bislang nicht entdeckte Elementarteilchen nachweisen. Am hoffnungsvollsten wird ein s.g. Higgs-Boson erwartet, das „Teilchen Gottes“.
Kurz auf einen Nenner gebracht: Das Higgs-Teilchen hat die „Schwere“ in die Welt getragen. Es verleiht den anderen Teilchen Masse – deshalb sein Beiname „Teilchen Gottes“. Außerdem ist das Higgs-Boson das einzige noch nicht gefundene Teilchen, dessen Existenz von der Standardtheorie der Teilchenphysik vorhergesagt wird…
…Edward Witten hofft, dass das Higgs-Teilchen bis zum Ende dieses Jahrzehnts entweder im LHC in Genf oder im Tevatron am Fermilab in Chicago gefunden wird. Dann könnte vielleicht entschieden werden, ob die Standardtheorie der Teilchenphysik richtig ist oder von einer neueren Theorie wie beispielsweise der Supersymmetrie ersetzt werden muss.
(Quelle: http://www.wissenschaft.de/)
Darüber hinaus erhofft man sich den…
…Nachweis supersymmetrischer Teilchen oder bislang unbekannter Raumdimensionen durch verstärkte Wechselwirkung mit Gravitonen oder durch die Erzeugung kurzlebiger schwarzer Löcher.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/)
Die Wissenschaftler versuchen dabei auch künstliche „Quark-Gluon-Plasmen“ zu erzeugen, welche vermutlich kurz nach dem Urknall bestanden haben und im Inneren von Neutronensternen existieren sollen.

Auf http://www.boston.com/bigpicture/2008/08/the_large_hadron_collider.html
findet man sehr eindrucksvolle Bilder vom Inneren des LHC – wallpaperwürdig
Kritik
Gerade diese „kurzlebigen schwarzen Löcher“ sind das wichtigste Argument der LHC-Kritiker. Die Theorie des Physikers Stephan Hawking, welche besagt, dass sich diese kleinen schwarzen Löcher anders verhalten als die, die man im Weltall beobachten kann, und innerhalb kurzer Zeit wieder verschwinden, anstatt alles zu schlucken was ihnen in die Quere kommt, ist natürlich (noch) nicht bewiesen.
Sie befürchten, dass diese Objekte gefährlich sein und große Risiken mit sich tragen könnten, da es die Möglichkeit gäbe, dass die kleinen schwarzen Löcher sich doch noch entschließen auf der Erde zu bleiben und sie dann langsam aber stetig „auffressen“.
Das folgende Schaubild habe ich auf http://lhc-concern.info/ gefunden, einer LHC-Kritik-Page:

Ich bin kein Physiker aber dieses Experiment finde ich überaus spannend. Man mag darüber denken was man will. Ich glaube nicht, dass ein großer Haufen von Wissenschaftlern Milliarden für eine Maschine ausgeben mit dem Ziel die Erde zu zerstören. Hätten wir schon früher auf Kritiker gehört, wäre die Erde immer noch eine Scheibe
Beginnen wird das ganze um 9 Uhr (MEZ) und wird per Webcast übertragen (http://webcast.cern.ch/).
Wir dürfen gespannt sein…